In diesem Artikel geht es um die Einrichtung eines eigenen NAS/Homeservers auf Basis eines Raspberry Pi und Nextcloud. Es gibt jedoch noch weiter Möglichkeiten einen Raspberry Pi als Homeserver zu nutzen. Eine Übersicht über Artikel die sich mit diesem Thema beschäftigen findest Du unter Übersicht: Homeserver/NAS mit dem Raspberry Pi

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Seit wir nicht mehr nur einen einzigen Computer am Schreibtisch nutzen, sondern täglich auf einen Zoo an Geräten zugreifen, ist die Nutzung von technischen Geräten ohne Cloudfunktionen kaum noch denkbar.

Über die Cloud lassen sich Bilder und Nachrichten austauschen. Außerdem könne wir unsere Termine teilen, Kontakte über mehrere Geräte synchronisieren und von allen Geräten auf die gleichen Dateien zugreifen. Wenn man hierfür Dienste wie Google Drive/Calender, Dropbox, Microsoft Onedrive usw verwendet, so vertraut man diesen Anbietern alle seine privaten Dateien und Informationen an. Nicht nur, dass diese Anbieter Zugriff auf die privaten Daten der Nutzer bekommen, auch das Risiko, dass diese Daten bei einem Hackerangriff Fremden in die Hände fallen steigt.

Wer die Vorteile der Cloud nutzen möchte, ohne seine Daten in Fremde Hände zu geben, der kann sich eine eigene Cloud zu Hause aufsetzen. Hierzu kann man beispielsweise die Funktionen des eigenen Routers nutzen, sofern dieser solche Funktionen anbietet. Alternativ kann man ein fertiges NAS-System einsetzen.

Wer sich mehr Flexibilität wünscht und Spaß und Interesse am einrichten und administrieren von Computersystemen hat, der kann sich ein System mit Cloudfunktionen auch selbst einrichten.

Zum Einstieg eignet sich hierzu der Minicomputer Raspberry Pi ganz hervorragend. Zum einen ist der Raspberry Pi günstig in der Anschaffung, zum anderen gibt es unglaublich viele Einsatzmöglichkeiten und Dokumentationen zu Raspberry-Pi-Projekten im Internet. Wer noch keinen Raspberry Pi besitzt, kann sich für den Einstieg ein Starterkit besorgen, dass neben dem Pi auch ein Gehäuse, Netzteil und SD-Speicherkarte enthält. Um ausreichend Speicherplatz zur Verfügung zu haben bietet es sich an, noch eine externe Festplatte an den Raspberry Pi anzuschließen.

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Nextcloud ist eine Software die die üblichen Cloudfunktionalitäten zur Verfügung stellt. Wie bei Dropbox lassen sich Dateien über mehrere Computer hinweg synchronisieren. Fotos die mit dem Smartphone gemacht werden können über die Nextcloud App automatisch in die eigene Cloud geladen werden. Außerdem lassen sich Kalender und Adressbücher anlegen, welche man mit dem Adressbuch und Kalender auf dem Smartphone synchronisieren kann. Über verschiedene Apps und einen eigenen Appstore lässt sich der Funktionsumfang von Nextcloud noch erweitern.

Nextcloudpi ist ein Projekt, dass Nextcloud für den Einsatz auf dem Raspberry Pi fertig konfiguriert und außerdem mit zusätzlichen Funktionen versieht. Nextcloudpi bietet ein fertiges Image mit Betriebssystem und Nextcloud kostenlos zum Download an. Das besondere ist, dass das System komplett über eine Weboberfläche administriert und eingerichtet werden kann.

Die Verbindung von Raspberry Pi und Nextcloudpi ist wahrscheinlich die schnellste und kostengünstigste Möglichkeit sich eine eigene Cloud zu Hause einzurichten.

Nextcloudpi-Image für den Raspberry Pi herunterladen

Zuerst muss das Image für den Raspberry Pi von der Homepage heruntergeladen werden. Die benötigten Installationsdateien für Nextcloudpi auf dem Raspberry Pi findet man unter https://ownyourbits.com/downloads. Hier Wählt man den Ordner der mit NextCloudPi_RPi beginnt. Hier lädt man die Datei mit der Endung .tar.bz2 herunter. Dies ist eine komprimierte Version des Nextcloudpi-Images für den Rasperry Pi.

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Nextcloudpi herunterladen

Das Image entpacken

Standardmäßig kann Windows die .tar.bz2 Datei nicht entpacken. Hier wird ein kompatibles Komprimierungsprogramm wie Winrar benötigt. Winrar kann kostenlos von der offiziellen Downloadseite auf winrar.de heruntergeladen werden.

Alternativ kann auch das Programm 7Zip verwendet werden. Mit 7Zip muss die heruntergeladene Datei allerdings zweimal entpackt werden. Zuerst um aus der komprimierten .tar.bz2 eine unkomprimiertes .tar Paket zu erhalten. Anschließend muss das .tar Paket noch entpackt werden, um die gewünschte .img Image-Datei zu erhalten. Winrar macht dies automatisch in einem Arbeitsschritt.

Nach dem Entpacken hat man eine .img-Datei erhalten. Hierbei handelt es sich um das vollständige Image von Nextcloudpi inklusive Betriebssystem für den Raspberry Pi. Dieses Image muss nun noch auf die SD-Karte des Pi geschrieben werden.

Image auf die SD-Karte des Raspberry Pi schreiben

Das Image kann nicht einfach über den Windows-Explorer auf die SD-Karte kopiert werden. Stattdessen wird ein spezielles Programm benötigt, dass den Inhalt des Images auf die SD-Karte überträgt. Kostenlos und sehr benutzerfreundlich ist das Programm Belena Etcher. Die Downloadseite für Belena Etcher findet man unter belena.io/etcher. Etcher ist für die Betriebssysteme Windows, MacOS und Linux kostenlos verfügbar.

Nachdem Etcher heruntergeladen und installiert wurde, kann damit die vorhin heruntergeladene und entpackte .img-Datei auf die SD-Karte des Raspberry Pi geschrieben werden. Nachdem der Kopiervorgang abgeschlossen wurde, kann die SD-Karte in den Raspberry Pi eingesetzt und dieser gebootet werdet.

Wer einen Raspberry Pi 3 oder neuer einsetzt, der kann Nextcloudpi auch auf einem USB-Stick, oder einer externen SSD installieren und davon booten, ohne eine Micro SD-Karte zu verwenden. Wie das funktioniert findest du im Beitrag Raspberry Pi Betriebssystem von USB-Stick booten.

Etcher

Konfigurieren von Nextcloudpi

Bevor Nextcloudpi genutzt werden kann, muss die Instanz aktiviert werden. Dies benötigt nur einen Klick, keine Registrierung o.ä. Dabei wird außerdem ein zufälliges Passwort für den Standarduser generiert. Die Aktivierung erfolgt über den Webbrowser auf einem beliebigen Computer. Dort gibt man in die Adresszeile die IP-Adresse des Raspberry Pi ein. Wenn die IP-Adresse nicht bekannt ist, gibt es mehrere Möglichkeiten um diese herauszufinden.

IP-Adresse des Raspberry Pi herausfinden

Wer einen Bildschirm und Tastatur am Raspberry Pi angeschlossen hat, der kann folgende Möglichkeit verwenden. Zuerst muss man sich am Raspberry Pi auf der Kommandozeile einloggen. Standardmäßig lautet der Benutzername “pi” und das Passwort “raspberry”. Anschließend gibt man folgenden Befehl ein.

ip addr

Damit erhält man eine Ausgabe, wie im Bild zu sehen.

Raspberry Pi Ip Adresse über Terminal herausfinden

Hier werden drei Netzwerkschnittstellen aufgelistet.

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  • 1: lo, kann ignoriert werden. Es handelt sich um eine virtuelle Netzwerkschnittstelle für das Betriebssystem
  • 2: eth0, dies ist die gesuchte Netzwerkschnittstelle, an die das Netzwerkkabel angeschlossen ist. Die IP-Adresse lautet in diesem Fall 192.168.30.156
  • 3: wlan0, ist die WLAN-SChnittstelle des Raspberry Pi. Da das WLAN nicht eingerichtet ist, wird hier keine IP-Adresse angezeigt.

Wer keinen Bildschirm und Tastatur angeschlossen hat, der kann die IP-Adresse des Raspberry Pi auch aus der Benutzeroberfläche seines Routers auslesen. Bei einer FritzBox findet man die Information unter dem Menüpunkt Heimnetz > Netzwerk im Reiter Netzwerkverbindungen

Nextcloudpi über das Webinterface aktivieren

Diese IP-Adresse gibt man nun in die Adresszeile des Webbrowsers ein. Der Computer von welchem man Nextcloudpi konfigurieren will, muss sich dabei im selben Netzwerk befinden wie der Raspberry Pi.

Beim Aufruf der Seite erhält man eine Fehlermeldung des Webbrowsers, der auf eine unsichere Verbindung hinweist. Dies liegt daran, dass der Browser eine verschlüsselte Verbindung zum Nextcloudpi aufbaut, diese Verbindung aber nicht durch das Zertifikat einer Zertifizierungsstelle die dem Webbrowser bekannt ist abgesichert ist.

Wenn man eine solche Meldung beim Aufruf seiner Onlinebanking-Seite sieht, sollte man tunlichst nicht weitersurfen. In unserem Fall ist die Fehlermeldung allerdings unproblematisch. Die Verbindung ist durch selbsterstelltes Zertifikat der Nextcloudpi Entwickler abgesichert, die dem Webbrowser nicht bekannt sind. Dies kann später behoben werden, wenn der Nextcloudpi über eine Internetadresse via DynDNS verfügt. Dann kann ein offizielles und kostenloses Zertifikat von Let’s Encrypt erzeugt werden.

Zur Einrichtung muss man noch mit der Fehlermeldung leben, bzw. diese ignorieren.

Unter Chrome wählt man hierzu den Button “Erweitert” und klickt anschließend auf den Textlink “Weiter zu 192.168.30.121 (unsicher)

Unter Firefox klickt man den Button “Erweitert” und wählt dann “Risiko akzeptieren und fortfahren

Chrome warnt vor unsicherer Verbindung

Auf der folgenden Seite wird einem der Benutzername und das Passwort für den Zugang zu Nextcloudpi angezeigt. Bei der Länge des Passworts haben es sich Programmierer meiner Meinung nach etwas übertrieben. Dieses sollte man sich am besten in einem Passwordsafe speichern. Alternativ bietet die Seite einen Button um die Zugangsdaten auszudrucken.

Ganz unten ist ein Button mit der Beschriftung “Activate” zu finden. Ein Klick darauf aktiviert die Installation und macht diese mit den angegebenen Zugangsdaten nutzbar.

Nach der Aktivierung wird man von Nextcloudpi zum Konfigurationsinterface weitergeleitet. Um dieses direkt aufzurufen, kann man auch https://192.168.30.121:4443 in den Browser eingeben. Die IP-Adresse muss natürlich angepasst werden. Alternativ ist die Konfigurationsoberfläche des Nextcloudpi auch unter https://nextcloudpi.local:4443 zu erreichen.

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Als Zugangsdaten verwendet man den Benutzername und Passwort, den man bei der Aktivierung erhalten hat.

Diese Konfigurationsoberfläche dient zum Einrichten und Warten des Systems. Hier können Backups konfiguriert oder Updates eingespielt werden. Nextcloud selbst wird über eine eigene Oberfläche genutzt und konfiguriert.

Wichtig ist, dass man sich an dieser Stelle die Zugangsdaten für den Nextcloud Admin-User notiert, bzw. ändert. Es handelt sich dabei nämlich nicht um die selben Zugangsdaten wie für die Konfigurationsoberfläche.

Die Zugangsdaten für Nextcloud findet man unter Config >nc-admin. Benutzername und Passwort für den Nextcloud-Admin kann man an dieser Stelle direkt ändern.

Nextcloudpi NExtcloud User

Ausführen des Nextcloudpi First-Run-Wizard

Nachdem man sich zum ersten Mal in der Konfigurationsoberfläche eingeloggt hat, fordert einen Nextcloudpi auf, die Ersteinrichtung mittels configuration-wizard durchzuführen. Hierbei handelt es sich um einen kurzen Einrichtungsprozess, der einen durch die wichtigsten Einstellungen führt. Wer die Einrichtung lieber selbständig ohne Führung vornehmen möchte, der kann den Wizard auch einfach mit einem Klick auf den Button “Überspringen” beenden.

Wenn man sich später doch noch umentscheidet und den Einrichtungswizard ausführen möchte, so kann man diesen über https://192.168.30.121:4443/wizard/ oder https://nextcloudpi.local:4443/wizard/ erneut aufrufen.

Nextcloudpi Konfigurations Wizard

Hier können automatische Backups auf eine USB-Festplatte sowie der Fernzugriff über das Internet auf die Nextcloud konfiguriert werden. In den meisten Fällen wird der heimische Router aus Sicherheitsgründen jedoch so konfiguriert sein, dass Nextcloudpi die Einrichtung nicht automatisch vornehmen kann. Die entsprechenden Portweiterleitungen muss man dann selbst in seinem Router vornehmen.

Die Einrichtung des Systems ist damit abgeschlossen. Im nächsten Schritt kann man sich bereits in seine Nextcloud mit Nextcloudpi einloggen und diese nutzen.

Nextcloud unter Nextcloudpi einrichten und nutzen

Nun kann man seine Nextcloud im Webbrowser aufrufen. Die Oberfläche von Nextcloud ist unter https://192.168.30.121 oder https://nextcloudpi.local zu erreichen. Diese Adressen funktionieren allerdings nur, wenn man sich mit seinem Computer im selben Netzwerk wie der Nextcloudpi befindet, also normalerweise zu Hause.

Als Benutzername und Passwort, werden die Daten verwendet, die oben in der Konfigurationsoberfläche unter dem Menüpunkt nc-admin festgelegt wurden.

Die Benutzeroberfläche von Nextcloud stellt sich sehr übersichtlich und selbsterklärend dar. Über das farbige Icon mit dem ersten Buchstaben des Benutzernamens findet man die Einstellungen von Nextcloud. Außerdem lassen sich hierüber auch weitere Apps installieren.

Die eigentlichen Funktionen erreicht man direkt über die Icons in der Menüzeile.

NExtcloud Benutzeroberfläche

To do & Fazit

Die eigene Cloud ist mit Nextcloudpi und einem Raspberry Pi schnell umgesetzt. Auch mit der separaten Konfigurationsoberfläche hat Ownyourbits ganze Arbeit geleistet. Auch wenn man sich auf diese Weise schnell und einfach eine eigene Nextcloud einrichten kann, so darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass auch ein solches System in Zukunft gewartet werden muss. Insbesondere über ein Backup der eigenen Daten sollte man sich unbedingt Gedanken machen.

Wenn man bereit ist, sich auch zukünftig mit der Wartung des Systems zu befassen, bietet einem der Raspberry Pi mit Nextcloudpi einen schnellen und erfolgversprechenden Weg zu einer eigenen, datenschutzfreundlichen Nextcloud-Instanz in den eigenen vier Wänden.

Standardmäßig kann Nextcloudpi nur im eigenen Heimnetz genutzt werden. Damit die Nextcloud auch über das Internet erreichbar ist, muss eine DynDNS-Adresse eingerichtet und im eigenen Router konfiguriert werden. Dann kann man beispielsweise auch seine Kontakte und Termine unterwegs mit dem Smartphone bearbeiten, oder seine Fotos automatisiert vom Smartphone zur Nextcloud hochladen. Wenn eine DynDNS-Adresse vorhanden ist, lässt sich außerdem ein kostenloses Let’s Encrypt Zertifikat zur Absicherung der Verbindung erzeugen. Damit verschwinden auch die nervigen Warnungen im Webbrowser beim Aufruf der Nextcloud.

Mit diesen Problemen beschäftigen sich die beiden nächsten Artikel.

NextcloudPi Teil 2: Die Cloud aus dem Internet erreichbar machen

NextcloudPi Teil 3: Gültiges Verschlüsselungszertifikat mit Let’s Encrypt erstellen


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